Home | Sitemap | english  | Impressum | KIT

Peer Energy Cloud ausgezeichnet als "Ort im Land der Ideen"

Das Partnerkonsortium Peer Energy Cloud, bestehend aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), AGT Germany, der SEEBURGER AG und den Stadtwerken Saarlouis wurde am 9. Oktober 2012 in Saarlouis als "Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet. Das Projekt gehört zu den zwölf Gewinnern des Technologiewettbewerbs  "Trusted Cloud" des Bundeswirtschaftsministeriums und stellt die bahnbrechende Entwicklung von Cloud Enabled Smart Energy Micro Grids in Aussicht.

 

L. Heuser (Software-Cluster), J. Schaper (AGT), W. Juling (KIT), R. Levacher (Stadtwerke Saarlouis), Ministerpräsidentin A. Kramp-Karrenbauer, H. Kirchner (Seeburger AG), T. Simon (Deutsche Bank), W. Wahlster (DFKI), A. Dercks (Land der Ideen)

 

Deutschland ist nicht nur das Land der Ideen, sondern auch das Land der Energiewende. Ideen für die Energiewende wurden im Projekt Peer Energy Cloud konkret umgesetzt. Für diese innovativen Ansätze zeichneten die Initiative "Deutschland – Land der Ideen" und die Deutsche Bank Peer Energy Cloud am 9. Oktober 2012 in Saarlouis als "Ausgewählten Ort 2012" im bundesweit ausgetragenen Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" aus. Während der Veranstaltung wurde ein echtzeitfähiges Smart Metering direkt aus den Smart Homes gezeigt.

Das Peer Energy Cloud-Partnerkonsortium erforscht sichere, energiebezogene Peer-to-Peer-Cloud-Dienste für den Energie-Marktplatz der Zukunft und befasst sich mit der Entwicklung von Lösungen zur intelligenten Verteilung und Nutzung erneuerbarer Energien. In einer spezialisierten Cloud-Infrastruktur entsteht beispielhaft ein neuartiger Marktplatz zum An- und Verkauf von Energiekontingenten für Prosumer (Erzeuger und Verbraucher).

Praktisch geht es darum, den Stromverbrauch in privaten Haushalten mit der Erzeugung in den Kraftwerken in Balance zu bringen. Ein Micro Grid bestehend aus ca. 100 Haushalten mit mehreren Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet von Saarlouis wird von den dortigen Stadtwerken aufgebaut und betreut. Die Wohneinheiten sind neben dem Stromnetz mit einem Glasfasernetz zur Datenübertragung miteinander verbunden. Zur Übertragung vertraulicher, sensitiver Daten innerhalb dieses Micro Grids steht eine gesonderte, gesicherte Glasfaserleitung zur Verfügung.

Die privaten Haushalte verbrauchen rund ein Drittel des Stroms, der von Kraftwerken produziert und über die Netze der rund 700 Stadtwerke geliefert wird. Der Verbraucher weiß, wann er waschen will, die Spülmaschine laufen soll, die Stadtwerke wissen es nicht - noch nicht. Aktuell ist der tatsächliche Strombedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Stromerzeuger nicht verbrauchergenau voraussagbar. Standardlastprofile sind ungenau, der Lastgang lässt sich kaum optimieren, der Netzausbau muss sich an Spitzenlasten orientieren, Backup-Kraftwerke sind betriebsnotwendig.

"Rohstoffverknappung und Klimawandel fordern das Energiesystem der Wohlstandskultur heraus. Die Energiewende mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen oder Atomkraft und der Zuwendung zu erneuerbaren Energien ist ökologisch wünschenswert und gesellschaftlich gewünscht. In den nächsten Jahren muss sie realisiert werden. Im Saarland wird an einem intelligenten lokalen Lastausgleich gearbeitet, an technischen Lösungen für einen liberalisierten Strommarkt mit dezentralen Erzeugungsstrukturen und das möglichst wirtschaftlich, versorgungssicher, umwelt- und lebensverträglich", erklärt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

"Mit dem stetigen Anwachsen des Beitrages der erneuerbaren Energien zur Stromversorgung werden die Anforderungen an den Stromnetzbetrieb weiter zunehmen", erläuterte Heiko Maas, der saarländische Energieminister: "Dabei muss aus meiner Sicht das hohe Niveau der Strom-Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben. Aufgrund der sehr komplexen Anpassungsprozesse der Stromnetze an die Anforderungen der Stromproduzenten und der Verbraucher, sowie an den sich verändernden Transportbedarf, kann man nicht auf fertige Blaupausen zurückgreifen. Ich bin überzeugt, dass die Netzbetreiber, insbesondere auf der Ebene der Verteilnetze, verantwortungsvoll und mit großem Engagement auf die neuen Herausforderungen zugehen. Das Smart-Micro-Grid-Projekt in Saarlouis ist insofern sogar zwei Schritte voraus, da es auch vorbildlich verdeutlicht, dass ‚smarte Netze‘ die Basis für ‚smarte Dienste‘ schaffen und somit neue Angebote zum Kundennutzen und Wertschöpfungspotenziale für die Versorgungsunternehmen entwickelt werden können."

"Die Peer Energy Cloud verbindet ökonomischen Erfolg mit ökologischer Nachhaltigkeit. Das Engagement und die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten sind ein Symbol für die Innovationskraft Deutschlands", sagte Tanja Simon, Marktgebietsleiterin Firmenkunden der Deutschen Bank, in ihrer Laudatio.

"Die Energieinformatik ist der Schlüssel für die neuen Systemarchitekturen, welche eine bezahlbare und robuste Energieversorgung auch nach der Energiewende sicherstellen werden. Nur mit intelligenten Softwarelösungen können die neuen Herausforderungen der dezentralen und volatilen Erzeugung erneuerbarer Energie sowie des bidirektionalen Netzflusses durch verteilte Speichersysteme bewältigt werden", so Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Chef des DFKI, Mitinitiator des BMWi-Projektes Peer Energy Cloud.

"Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien spielen bei der Peer Energy Cloud eine zentrale Rolle. Dabei geht es besonders auch darum vertrauenswürdige Umgebungen zu schaffen, um solche zukünftigen kritischen Infrastrukturen sicher und verlässlich zu beherrschen", erklärt Prof. Dr. Wilfried Juling, Chief Science & Information Officer (CSO/CIO), Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

"Erst die intelligente Verknüpfung von Smart Home, Smart Grid und Smart Markets schafft den notwendigen Durchbruch für eine intelligente Energieverteilung auf allen Ebenen und bietet genügend Anreize für alle Teilnehmer. Durch die Aufteilung des Netzes in Zellstrukturen auf der Ebene von smarten "Micro Grids", die die Balance der erzeugten und der verbrauchten Energie intelligent verteilt, wird eine Betriebs- und Versorgungssicherheit für dezentrale Strukturen möglich. Dabei ist die vollständige Integration von allen Systemkomponenten entscheidend für den Erfolg", so Holger Kirchner, leitender Direktor des Forschungsbereichs der SEEBURGER AG.

"Doch mit dem lokalen Stromhandel sind die Einsatzmöglichkeiten der Sensordatenanalyse von AGT noch lange nicht erschöpft. Das Unternehmen entwickelt Analytics für Sensordaten, mit denen unterschiedliche Ereignisse (etwa Einbrüche) und vom Üblichen abweichende Situationen in Gebäuden festgehalten, überwacht und gelöst werden können. Dabei kommen einfache Plug-in-Sensoren zum Einsatz, die Daten über Bewegungen, Feuchtigkeit, Licht, Temperatur, Strom oder Lärm liefern. Wenn Gebäudesensoren durch Autokonfigurations¬funktionalität und semantisch hochwertige Schnittstellen ergänzt werden, ist eine Reihe weiterer Mehrwertdienste und Geschäftsmodelle möglich, die sowohl für die Stadtwerke als auch für die Verbraucher interessant sind", betont Dr. Joachim Schaper, Forschungsleiter der AGT.

"Erste Pilotanwender sind eingebunden. Zur Übertragung vertraulicher Daten innerhalb des Smart Micro Grids steht eine gesonderte, gesicherte Glasfaserleitung zur Verfügung. Die persönlichen und hochaufgelösten Verbrauchsdaten werden in einer spezialisierten Private-Cloud-Infrastruktur mandantensicher gespeichert und sind nur pseudonymisiert für autorisierte Zugriffe zugänglich", so Dr. Ralf Levacher, Geschäftsführer Stadtwerke Saarlouis.

Prof. Dr. Lutz Heuser, Sprecher des Software-Clusters, erklärt dazu: "PeerEnergyCloud ist ein hervorragendes Beispiel für die Exzellenz der anwendungsorientierten Forschung im Software-Cluster. Die Region zwischen Saarbrücken, Darmstadt und Karlsruhe, aus der die Konsortialpartner stammen, hat in den letzten 40 Jahren immer wieder Softwareinnovationen hervorgebracht, die den Weltmarkt erobert haben. Sichere IT-Lösungen für den Energiemarkt der Zukunft, wie sie im Projekt PeerEnergyCloud erforscht werden, knüpfen an diese Tradition an und führen sie fort."

 

Weitere Informationen